Interview mit Helmut Schattka
Neues aus Kuhhorst?
„Neu ist zunächst das Design unserer Becher und Etiketten. Die sind im Bioladen nicht zu übersehen. Aber wir
haben auch an einigen Rezepturen gefeilt: Für die Dessertcremes,
die wir anfangs mit Quark und Joghurt angesetzt haben, verwenden wir seit September 2011 ausschließlich Joghurt, den aber mit besonderem Pfiff: Wir lassen ihn nach irischem Vorbild eine Weile abtropfen. So entsteht eine cremige
Basis, in die wir Vanille-, Mokka- oder Erdbeermus rühren. Das müssen Sie probieren.
Wir Kuhhorster sind jedenfalls begeistert.“
Experimentierfreudig sind Sie auch bei Ihren Nudeln ...
„Warum auch nicht? Langweilige Nudeln gibt es genug. Deshalb setzen wir dem Nudelteig Rote Bete, Bärlauch, Tomaten, Basilikum, Möhre oder Spinat zu. Den Dinkel für unsere Nudeln bauen wir natürlich selbst an. Außerdem schälen wir ihn hier auf dem Hof. Das übernimmt sonst meist die Mühle, aber wir sind gute Handarbeiter, so machen wir diesen Arbeitsschritt mit.“
Hat Handarbeit bei Ihnen vor allem therapeutischen Wert?
„Natürlich setzen wir als Hof, der Menschen mit einer geistigen Behinderung beschäftigt, andere Prioritäten bei der Arbeit. Aber etwas mit den eigenen Händen zu
schaffen, gibt auch Menschen ohne Handicap ein gutes Gefühl. Wir alle hier packen überall mit an, sind vielseitig und flexibel. Meine Kollegin aus der Vermarktung zum Beispiel, die sehen Sie im Herbst öfter mal auf dem Kartoffelroder. Ein Bio-Hof
sollte kein hoch spezialisiertes Unternehmen sein, sondern eine Art Organismus, in
dem sich nach Möglichkeit der gesamte landwirtschaftliche Kreislauf abbildet.“
Also ein Betrieb vom Saatkorn bis zur Nudel, vom Ferkel bis zur Wurst?
„Ja. Wir erzeugen in der Tat unser eigenes Saatgut, ernten das daraus gewachsene Getreide, waschen und schälen es, lassen es in einer Mühle mahlen, bereiten aus dem Mehl einen Pasta-Teig, produzieren und verpacken unsere Nudeln in Kuhhorst. Gerne würden wir auch Mehl und Müsli selbst abfüllen – ein Zukunftsprojekt. Für die Fleischwaren haben wir eine hofeigene Metzgerei. Unsere Enten und Gänse werden hier sogar geschlachtet, die Rinder und Schweine immerhin verarbeitet. Und in unserer Meierei veredeln wir Milch zu Dessert-Cremes, herzhaften Quarkspeisen und bald auch zu Weichkäse.”
Können Sie alle auf dem Hof erzeugten Rohstoffe selbst verarbeiten?
„Nein, das schaffen wir nicht. Unsere 100 Milchkühe geben mehr Milch, als wir in der Meierei bewältigen, zumindest momentan. Ein Teil der Milch geht also in nahe gelegene Bio-Molkereien. Auch beim Getreide ernten wir mehr, als wir für Nudeln, Gebäck und Tier-Futter brauchen. Wir bewirtschaften ja insgesamt 400 Hektar Land – und die Böden im Havelländer Luch sind hervorragend. Hier wachsen Roggen, Dinkel und Weizen in guter Qualität. Deshalb nimmt uns Märkisches Landbrot unser Getreide gerne ab. Seitdem wir im Sommer auf biologisch-dynamische Landwirtschaft umgestellt haben, sind interessante Partnerschaften zu anderen Demeter-Betrieben in der Region entstanden. Wir wissen uns auf einem guten Weg.”
Unser nächstes Seminar:
22.05.2012 - 13:00 Uhr:
Aktiv beraten und verkaufen!
Warum wird in unserer Branche so wenig aktiv verkauft? Sind es Bedenken, den
Kunden zu nahe zu treten? Liegt es am Produktwissen? An mangelndem Zutrauen?
Unsere Durchschnittsbons sind eindeutig steigerbar, gemessen am Gesamtkonsum der Kunden. Seit einiger Zeit besuchen uns vermehrt Neukunden....




