Die Herausforderung gesucht
Interview mit Dr. Axel Senst - promovierter Gartenbauer
Axel Senst, promovierter Gartenbauer mit Erfahrung im konventionellen und biologischen Obstbau, bringt es auf den Punkt: „Als konventioneller Betrieb siehst du ein Problem und überlegst, wie du es möglichst schnell wieder los wirst. Als Bio-Betrieb fragst du dich, wie du damit leben kannst.“ Bio ist für Axel Senst genau die Herausforderung, der er sich täglich stellen möchte.
Herr Senst, was hat aus Ihnen einen Bio-Unternehmer gemacht?
„Die Abhängigkeit von der chemischen Industrie, die hat mich immer schon gestört. Das ganze Spritzen mit synthetischen Planzenschutzmitteln,die nachweislich durch die Schale in die Frucht eindringen. Das ist alles prima für den Obstbau, aber schlecht für das Obst und somit auch schlecht für die, die das Obst essen. Wenn man sein Augenmerk nur auf Masse und Optik richtet, muss man von Äpfeln nicht besonders viel Ahnung haben. Ich hatte aber Ahnung und suchte die Herausforderung, die zum Bio-Anbau immer dazu gehört. Den Ausschlag, auf Bio umzustellen, gab aber schließlich der Handel. Ich war es so leid, mich von den Einkäufern der Supermarktketten drangsalieren zu lassen. Die sehen nur den Apfel, nicht aber den Menschen, der sich um den Apfel gekümmert hat, nicht die Natur, die so mancher Ernte einen Strich durch die Rechnung macht.“
Und das ist im Bio-Handel anders?
„Definitiv. Die Strukturen sind überschaubarer – zumindest wenn man regional zusammen arbeitet. Meine TafelÄpfel gehen überwiegend an Terra Naturkost, einen Großhändler, der schwerpunktmäßig in Berlin, Brandenburg und den direkt angrenzenden Regionen tätig ist. Mit Terra treffe ich mich, um das Jahr zu planen. Und mit denen kann ich reden, wenn die Äpfel einmal witterungsbedingt kleiner ausfallen oder optische Mängel aufweisen. Terra versucht nicht, den Preis zu drücken, sondern den Kunden zu erklären, warum das so ist.“
Was sind die besonderen Herausforderungen im Bio-Obstbau?
„Als Bio-Obstbauer ist man dem Wetter und den so genannten Schädlingen viel unmittelbarer ausgeliefert als ein konventioneller Betrieb. Durch den Verzicht auf synthetische Spritzmittel müssen wir schon vor einem Befall von Pilzen und Insekten reagieren. Denn sind die Bäume erst einmal betroffen, können wir nicht mehr viel machen. Wir dürfen zwar Kupfer und Schwefel in begrenzten Mengen spritzen, aber beide Stoffe wäscht der Regen relativ schnell wieder ab. Deshalb achten Bio-Betriebe darauf, keine Monokulturen, sondern möglichst verschiedene Apfelsorten zu pflanzen und Sorten zu wählen, die resistent gegen bestimmte Apfel-Krankheiten sind. Sie sehen ihre Plantage als Lebensraum und die darin lebenden Insekten und Vögel nicht nur als Konkurrenten, sondern auch als Helfer. Ein Meisenpaar zum Beispiel vertilgt bis zu einem Zentner Insekten pro Jahr. Vor allem aber bedeutet Bio-Obstbau sehr viel Handarbeit. Bei uns kümmern sich Menschen vom benachbarten Behindertenhilfswerk um das Unkraut zwischen den Bäumen. Wir könnten das auch maschinell erledigen, aber es ist doch großartig.wenn ein Obst-baubetrieb auch noch eine soziale Komponente abdeckt, oder?“
Honorieren die Bio-Kunden Ihre Arbeit?
„Ja. Ich habe sogar die Erfahrung gemacht, dass die Konsumenten mitunter weiter sind als die Erzeuger. Was ich seit meinen ersten Tagen als Obstbauer schon alles gefragt wurde! Die Auseinandersetzung mit den Themen, die von Kundenseite kommen, hat mich immer auch ein Stück weiter gebracht. Bis zur Umstellung auf Bio“.
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22.05.2012 - 13:00 Uhr:
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